Italien Philatelie - Beleg des Monats

Beleg des Monats 08/2017

Falso per Posta: Milanofil 1976

Im Oktober 1976 fand in Mailand die Weltausstellung der Philatelie statt. Zu dieser Veranstaltung gab die italienische Post zwei Markenserien mit insgesamt 7 Briefmarken heraus. Im März 1976 - also gutes halbes Jahr vor der Veranstaltung - erschienen zwei Marken: eine Marke zu 150 Lire, welche das Logo der Ausstellung zeigt, sowie eine Marke zu 180 Lire, welche neben dem Veranstaltungslogo auch den Messepalast als Veranstaltungsort zeigt.

150 Lire war im März 1976 das Porto für einen einfachen Brief ins Inland (und einige europäische Länder), 180 Lire entsprachen einem einfachen Auslandsbrief bzw einem Aerogramm.

Bei der Lektüre der Kataloge zu dieser Marke fallen zwei Dinge auf: zum einen sind für diese beiden Marken Gültigkeitsenden angegeben (dies ist in Italien um diese Zeit ähnlich wie in Deutschland nicht mehr üblich), zum anderen gibt es z.B. im Michel das Zeichen "PFä" für Fälschung zum Schaden der Post.

Die italienischen Kataloge sind dort ein wenig detailierter: dort erfährt man, dass diese Fälschungen zum Schaden der Post photolitographisch gedruckt wurden - statt wie die Originale im Rastertiefdruck. Und man findet den Hinweis, dass die 150 Lire ausser Kurs gesetzt wurde, weil sie das "Objekt von Fälschungen" war. Eine solche Fälschung sehen wir oben.

Interessant ist auch der Hinweis im Sassone, dass man bei dieser Postfälschung auf Falschstempelungen aufpassen sollte. Es gibt also (Ver)Fälschungen dieser Postfälschungen zum Schaden der Sammler.

Geben die Preisnotierungen der italienischen Kataloge schon den Hinweis, dass diese Fälschung zum Schaden der Post relativ häufig ist, wird dies bei einem Blick auf das zu dieser Karte gehörende Zertifikat von Roberto Brutto - einem genuenser Händler und Prüfer.

Dort stellt man nämlich fest, dass der Text des Zertifikats (also die Beschreibung, das Datum und die Echtsheitfeststellung) GEDRUCKT sind - in der gleichen Farbe wie der Briefkopf.

Für mich ist dies das Zeichen, dass Brutto Hunderte von diesen Lotterie-Karten vorliegen hatte, für die er Zertifikate erstellen sollte/wollte. Dass in diesem Fall das Datum des Poststempels auf dem Prüfstück (28.7.78) hinter dem Datum der Ausstellung des Zertifikates (8.5.1978), werte ich nicht als Zeichen, dass es sich hier um ein gefälschtes Attest handelt. Unterschrift und Trockensiegel gehen vom Attest auf die Fotokopie des Prüfstücks über. Ich werte dies nur als zusätzlichen Hinweis, dass diese Fälschungen zum Schaden der Post "nicht selten sind".

Zur weiteren Lektüre: I miei francobolli

Für Interpretationsideen - oder auch Fehlerkorrekturen - reicht eine kurze email an mich.

Stephan Jürgens, AIJP, sfj@italien-philatelie.de

Mille grazie a Sergio Villagomez

Eine erweiterete Fassung dieses Artikels ist in der Italien Rundschau 84 im September 2017 erschienen.