Italien Philatelie - Beleg des Monats

Beleg des Monats 11/2018

 1897: Florenz über Philadelphia nach Bayhead - Späte und frühe Verwendungen von Stempelmaschinen

1897: Florenz über Philadelphia nach Bayhead

Späte und frühe Verwendungen von Stempelmaschinen

Ein doppeltschwerer Brief mit einem graphisch schönen Werbeeindruck aus der Toscana in die USA - dort zweimal weitergeleitet mit Stempeln, die dies dokumentieren ... wäre der Brief fünfundzwanzig Jahre älter, wäre er niemals in einer 1-Euro Kiste gelandet.

Aber dank des Weltpostvereins sind Briefe aus Italien in die USA portomässig so preiswert geworden, dass sich die Frankatur nicht mehr wesentlich aus der Masse der Inlandsbriefe herausragt. 20 centessimi Inlandsbriefgebühr plus 30 centesimi Einschreibbebühr - 50 centesimi war lange Jahre der Tarif für einen einfachen Inlandseinschreibbrief, 50 centesimi Frankaturen also nicht extrem ungewöhnlich.

Da zumindestens für den oberflächlichen Philatelisten die verschiedenen Umberto I Ausgaben recht ähnlich aussehen, ist die Entscheidung, diesen doch recht kaputten Beleg in einer 1 € Kiste zu verramschen, nachvollziehbar. Als ich die Marken gerade im Sassone nachgeschlagen habe, war ich dann doch überrascht 120 € für ein Päarchen auf Brief notiert zu sehen - bei einer 1,50 € im Michel für lose gestempelt (Briefnotierungen gibt es dort ja nicht). Glücklicherweise verhindert ein Riss in der unteren Marke dass ich in Versuchung komme und diesen Beleg an einen Briefmarkensammler verkaufe.

Den Weg in meine Sammlung verdankt dieser Beleg hauptsächlich dem Dani-Maschinenstempel aus der letzten, späten Phase der Verwendung mit Nummernstempeln stammt, einer Phase, bei der ich meine Forschungen noch nicht wirklich beendet habe, und für die ich deshalb immer noch Material "at reasonable prices" mitnehme. Ein Beleg für 1 Euro erfüllt ganz knapp meine Vorstellungen eines "vernünftigen Preises".

Der ebenfalls die Marken treffende Wellenstempel einer American Postal Machine Company Stempelmaschine aus Philadelphia machen den Beleg nicht unintesseanter - zeitlich sind wir gute 15 Jahre bevor die ersten Wellenlinien-Einsätze in Italien verwendet werden. Generell sind Maschinenstempel - insbesondere dann wenn sie so aussehen, dass Otto-Normalsammler sie als Maschinenstempel erkennen - aus dem 19. Jahrhundert "früh" und damit gesucht. Auch wenn die ersten Maschinen dieser Bauart ab 1884 in Boston verwendet werden, ist die Anzahl der Postämter, die diese Maschinen vor der Jahrhundertwende benutzt haben, überschaubar. Weite Verbreitung in den USA fanden die American Postal Machine Company - Stempelmaschinen zwischen 1909 und 1920, von denen etliche noch während des Zweiten Weltkrieges benutzt wurden.

Die Rückseite zeigt zwei (verschiedene) "Received" Duplex-Stempel aus Philadelphia (einer dokumentiert den ursprünglichen Zustellversuch, der zweite die erste Weiterleitung) und den endgültigen Ankunftsstempel auc Bayhead (New Jersey).

Bemerkenswert ist - insbesondere angesichts heutiger Brieflaufzeiten - die relativ schnelle Beförderung: der Brief brauchte von Florenz nach Philadelphia 10 Tage, und wurde innerhalb eines weiteren Tages sowohl in Philadelphia als auch in Bayhead zugestellt.

Leider ist der Inhalt des Briefes nicht überliefert - sicherlich wären Fans der "Social Philately" begeistert zu erfahren, was "Billy" (sicherlich ein Page des Hotel Royal Grande Bretagne in Florenz Mrs. Edward Gellatly zu schreiben hatte.

Für Interpretationsideen - oder auch Fehlerkorrekturen - reicht eine kurze email an mich.

Stephan Jürgens, AIJP, sfj@italien-philatelie.de